„Ciao Italia, Ciao Codigoro“ – mit diesem Gruß im Gepäck machte sich der Eppertshäuser Partnerschaftsverein wieder auf den Weg Richtung Süden. Rund 40 Personen fuhren über den Brenner, der Großteil im Bus, einige auch mit dem Auto oder dem Flugzeug. Zur Gruppe zählten diesmal Bürgermeister Stephan Brockmann, sein Stellvertreter Mike Pritsch und Altbürgermeister Herbert Weber. Bei der Eröffnung des großen Gemeindefestes, der 355. Fiera di Santa Croce, wurde von ihnen Sitzfleisch abverlangt: Fast drei Stunden dauerten die Festreden und Ehrungen, mit denen die mehrtägige Veranstaltung eingeleitet wurde.

Kultur und Nostalgie im Programm

Neben dem Besuch des Festes hatte der Vorstand des Partnerschaftsvereins ansprechende Ausflüge vorbereitet: Dazu gehörte ein Abstecher in die Stadt Mantua, die als Welterbestätte geführt wird. Des Weiteren ging es nach Goro: In dem kleinen Fischerdörfchen wurde die bekannte Sängerin Milva geboren. Die Eppertshäuser durften vor der offiziellen Eröffnung ins Museum, allerdings waren keine Fotos erlaubt. Das fiel beim Blick auf die beeindruckenden Ausstellungsstücke, wie den großen Spiegel der Diva, nicht leicht.

Altbürgermeister Herbert Weber trat die Reise nach Codigoro mit einer großen Hoffnung an: „Ich hoffe, vielleicht noch einmal die alten italienischen Kollegen von damals zu treffen.“ Der 78-Jährige war vor 24 Jahren im Amt, als die Verbindung aus der Taufe gehoben wurde. Mit dem damaligen Bürgermeister von Codigoro, Enea Pandolfi, unterschrieb er die Dokumente der Freundschaft. Zuvor bestand in Eppertshausen großes Interesse, neben Chaource noch eine zweite Partnergemeinde hinzuzufügen.

Von einer Verbindung in die neuen Bundesländer zeigte man sich eher weniger begeistert. Stattdessen überzeugte die Idee der hessischen Landesregierung um die Jahrtausendwende, Beziehungen zur italienischen Region Emilia-Romagna (in dieser liegt Codigoro) zu forcieren. Laut Herbert Weber hatte zu Beginn Höchst im Odenwald Interesse an der Gemeinde mit ihren 11.000 Bewohnern gezeigt, doch dann die Bestrebungen wieder zurückgezogen.

Für Codigoro sprach sich ganz wesentlich der Eppertshäuser Odenwaldklub aus, denn die Region ist bekannt für ihre Mandolinenspieler. Bei einer Konzertreise nach Italien hatten die Musiker des OWK in der Vergangenheit schon die Gruppo „Mandolinistico Codigorese“ kennengelernt. Herbert Weber favorisierte eine Verbindung in die Region Emilia-Romagna noch aus einem anderen Grund: „Viele Kommunen in unserer Nachbarschaft verfügen über Partnerstädte in der Toskana. Das hatte bei uns nicht unbedingt Priorität, denn wir wollten uns nicht unterstellen lassen, dass wir dort vor allem Urlaub machen wollen.“

Mandolinenmusik statt Toskana-Urlaub

Partnerschaftsvereinsvorsitzender Ewald Gillner kann sich noch gut daran erinnern, wie man damals mit einem alten, klapprigen VW-Bus, in dem acht Personen saßen, den Offiziellen in Codigoro einen Schnupperbesuch abstattete. Der verlief äußerst erfolgreich. „Wir waren gleich sehr eng miteinander. Auf dem Rückweg erklärten sich schon viele von uns bereit, im Vorstand eines möglichen Partnerschaftsvereins mitzuarbeiten“, berichtet Tanja Löffler, die damals mit im Bus saß. Im Lauf der Zeit hat sich die Partnerschaft in jeder Beziehung als vorbildlich entwickelt: Die Fußballer vom FV Eppertshausen fahren regelmäßig zu Begegnungen runter, auch die Eppertshäuser Sänger, die Tischtennisspieler oder die Feuerwehr machten sich schon über die Alpen auf.

Seit 2003 kommt eine Abordnung aus Codigoro zum Eppertshäuser Weihnachtsmarkt, umgekehrt wird im Herbst die Fiera di Santa Croce besucht. Die verlief in diesem Jahr erneut mit vielen tollen Begegnungen und Aha-Effekten, auch wenn Altbürgermeister Herbert Weber keine Politiker von damals treffen konnte. „Einige haben im Anschluss politisch Karriere gemacht, über einige musste ich jetzt erfahren, dass sie gesundheitliche Probleme haben“, sagte er.

Echte Herzlichkeit zu spüren

Kurz darauf schockte gar die traurige Nachricht, dass Enea Pandolfi, einer der Architekten der Partnerschaft, Mitte September verstorben ist. Im nächsten Jahr blickt die Verbindung nach Italien auf 25 Jahre. Schon jetzt macht man sich auf beiden Seiten Gedanken, wie sich das Jubiläum angemessen feiern lässt. In den nächsten Wochen plant man in Eppertshausen, mögliche Veranstaltungen auszuarbeiten.

Das dürfte mit viel Herzblut passieren, denn die Verbindung in die Emilia-Romagna ist von eben diesem reichlich geprägt: „Ich habe in meinem Leben, beruflich oder privat, schon viele Menschen aus verschiedenen Nationen kennengelernt, darunter aus Amerika“, sagt Ewald Gillner. Viele Freundschaften hätten sich im Nachhinein als sehr oberflächlich erwiesen, quasi „aus den Augen, aus dem Sinn“. Dies treffe in Codigoro nicht zu: „Die Herzlichkeit, die wir hier immer wieder spüren, ist echt.“

Bericht aus der Offenbach Post vom 21.10.2026 von Michael Just

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